Aesculap Apotheke

Neumünster, 2016
Apotheker Ali Gehrke

Die Aesculap Apotheke befindet sich am Kuhberg in Neumünster. Der Umbau erfolgte 2015–2016 auf insgesamt drei Ebenen – und das bei laufendem Betrieb. Ziel war es, die Apotheke sowohl funktional als auch gestalterisch grundlegend neu auszurichten.

Ein neuer Eingang für die Apotheke

Bei Ecklagen bietet es sich an, den Eingang auf die Ecke zu verlegen, wenn beide Straßenseiten vom Kundenstrom her gleichberechtigt sind. In Neumünster ergab sich zusätzlich die besondere städtebauliche Situation, dass sich der neue Eingang direkt auf den Vorplatz eines großen Einkaufszentrums auf der gegenüberliegenden Straßenseite ausrichtet.

Vor dem Umbau verfügte die Apotheke über zwei getrennte Eingänge: einen Haupteingang mit automatischer Schiebetür und einen unscheinbaren Nebeneingang mit Notdienstanlage. Die gesamte Schaufensteranlage wurde neu gestaltet. Die den Eingang markierende, LED-beleuchtete Stütze befand sich ursprünglich im Inneren des Gebäudes. Zusammen mit der im Viertelkreis gebogenen Automatiktür bildet sie heute ein Rondell aus Granitplatten, das den neuen Eingang eindeutig markiert.

Auch die Außenwerbung wurde vollständig überarbeitet. Gemeinsam mit dem Designbüro Heine Warneke entstand eine eigenständige Wortmarke. Das umgedrehte kleine „a“ als „e“ verleiht dem Schriftzug einen unverwechselbaren Charakter.

Mehr Raum für die Offizin

Durch die Verlagerung des Generalalphabets in den Keller konnte im Erdgeschoss wertvolle Fläche gewonnen werden. Die Offizin wuchs dadurch von 47 m² auf 64 m².

Direkt unter der virtuellen Sichtwahl befindet sich heute ein Rowa-Lagerautomat, der seine Ware über zwei Ausgabepunkte in die Sichtwahl ausgibt. Da hinter dem Automaten die Hauptabwasserleitung des Gebäudes verläuft, wurde dieser Bereich mit einer Edelstahlabschottung, einer Notpumpe, einem Leckagemelder sowie einem zusätzlichen Revisionsgang technisch abgesichert.

Virtuelle und klassische Sichtwahl

Die Apotheke verbindet digitale und klassische Elemente auf ungewöhnliche Weise. Insgesamt fünf Kassen verteilen sich auf zwei Handverkaufstische. Der gerade HV-Tisch wurde ebenso wie die Schnelldreherschübe aus schwarzem Corian gefertigt. Eine in einen Lichtschlitz eingelassene Handtaschenablage aus Kirschholz stellt die gestalterische Verbindung zu den Holzkästen des zweiten Handverkaufstisches her.

Die virtuelle Sichtwahl wurde bewusst in die Nähe des Schaufensters gesetzt und zieht bereits von außen die Aufmerksamkeit auf sich. Zum Einsatz kommen spezielle Displays für den dauerhaften 24/7-Betrieb. Da diese Bildschirme nicht berührungsempfindlich sind, wurde die gesamte Anlage mit einem Sensorsystem ausgestattet, das die Bedienung ermöglicht.

Um die Bildschirme angemessen einzubinden, erhielt die Wandfläche eine Spachteltechnik in intensivem Ultramarinblau. Die Farbe erinnert an die Arbeiten von Yves Klein und verleiht dem Raum eine außergewöhnliche Tiefe.

Blaustahl, Kirschholz und Messinggewebe

Der runde Handverkaufstisch besteht aus zwei gebogenen Blaustahlplatten, die durch eine beleuchtete Fuge voneinander getrennt sind. Als Reminiszenz an die historischen Schubkastenschränke traditioneller Apotheken durchdringen 60 Kästen aus Kirschholz die Stahlkonstruktion. Zahlreiche Details wie eingenutete Eckfedern, angedeutete Führungen und eigens gefertigte Edelstahlgriffe unterstreichen den handwerklichen Charakter.

Gemeinsam mit der dahinterliegenden Sichtwahl bildet dieser Tresen das gestalterische Zentrum der Offizin. Die facettierte Rückwand besteht aus in Acrylglas eingegossenem Messinggewebe, das wie ein transparenter Vorhang den Arbeitsbereich abschirmt, ohne ihn vollständig zu verbergen.

Gerade das Zusammenspiel von klassischer und virtueller Sichtwahl sorgt dafür, dass die Apotheke trotz digitaler Elemente ihre typische Identität als Apotheke bewahrt.

Materialien und Details

In der gesamten Apotheke wurde Nero Assoluto verlegt – ein besonders dunkler, feinkristalliner Granit mit geflammter und gebürsteter Oberfläche. Seine matte Struktur verleiht dem Material eine außergewöhnliche Tiefe.

Ein besonderer Blickfang ist der Mosaikboden vor den Handverkaufstischen. Er markiert den zentralen Beratungsbereich und bildet ein eigenständiges gestalterisches Element innerhalb der Offizin.

Hinter Sichtwahl und Freiwahl schließt sich der Arbeitsbereich an. Von hier aus verbindet eine markante Treppe alle drei Ebenen der Apotheke. Ursprünglich war eine Glastreppe vorgesehen. Die Begeisterung des Bauherrn für den eingesetzten Blaustahl führte jedoch zu einer anderen Lösung. Gemeinsam mit dem regionalen Schlosser entstand die heutige Treppenkonstruktion, die den industriellen Charakter der Einrichtung konsequent fortführt.

Veröffentlichungen

Vorher-Nachher

Wenn Sie wissen möchten, wie die Apotheke vor dem Umbau aussah, klicken Sie hier.

„Wirkungs Voll“

Aus: STORE BOOK 2017

Hier geht es zum Buch

„Schließlich verbringe ich viel Lebenszeit in der Apotheke.“

„Ich habe das für mich und für meine Mitarbeiter gemacht.“

Lesen Sie hier den gesamten Artikel auf Apotheke Adhoc.

Ergänzende Informationen

Ein besonderes Highlight der Apotheke ist der Mosaikboden vor den Handverkaufstischen. Seine Entstehungsgeschichte und die Zusammenarbeit mit der Mayer’schen Hofkunstanstalt haben wir in einem ausführlichen Beitrag dokumentiert.

Mehr zur Entstehung des Mosaiks auf Instagram

Weitere Referenzen

Weitere Projekte, Detailaufnahmen und Referenzen zum Thema Apothekendesign finden Sie auf unserem Pinterest-Board:

Pinterest-Board „Design Apotheke“

Projektdaten

  • Projekt: Aesculap Apotheke
  • Standort: Kuhberg 43/45, 24534 Neumünster
  • Jahr: 2016
  • Planung: Klaus Bürger
  • Umbau: 2015–2016
  • Gesamtfläche: 352 m²
  • Besonderheit: Umbau auf drei Etagen im laufenden Betrieb