Apotheke Deiker Höfe
Mit der Apotheke Neue Mitte Essen wagte Apothekerin Vildane Idrizi-Sinani bereits 2009 den Schritt in die Selbstständigkeit. Die Apotheke entwickelte sich erfolgreich, doch die Rahmenbedingungen für Apotheken verändern sich.
Als sich mit den Deiker Höfen im Düsseldorfer Norden die Möglichkeit für einen Neuanfang bot, entstand eine ungewöhnliche Frage: Würde man eine Apotheke heute noch einmal genauso bauen wie vor fünfzehn Jahren?
Die Antwort lautete Nein.
Vieles von dem, was in Apotheken seit Jahrzehnten als selbstverständlich gilt, wurde auf den Prüfstand gestellt. Sichtwahl. Handverkauf. Warenlogistik. Beratung. Telemedizin. Selbstbedienungskassen. Manche Ideen klangen vielversprechend. Bei anderen wussten wir selbst nicht, ob sie funktionieren würden.
Genau darin lag der Reiz dieses Projektes.
Bereits beim Betreten der Apotheke wird deutlich, dass hier vieles anders ist. Klassische Handverkaufstische entlang einer Wand sucht man vergeblich. Stattdessen befinden sich zwei halbrunde HV-Tische im Zentrum des Raumes. Möglich wird dies durch die digitale Sichtwahl, die auf die traditionellen Regalzeilen hinter dem Personal verzichtet.
Rund um die HV-Zone spannt sich ein räumliches Gefüge aus Boden, Decke und Möblierung. Ein helltürkises Feld im Boden markiert das Zentrum der Offizin und findet seine Entsprechung in der darüber liegenden Akustikdecke. Weiße, gerundete Möbel und Einbauten sorgen für Ruhe und Orientierung, während schwarze Lichtschienen, Strahler und Regalsysteme die technische Infrastruktur als grafische Ebene sichtbar machen.
Die freihängenden Regale der Freiwahl sind an Stromschienen befestigt und halten den Boden frei. Dadurch kann die Reinigung vollständig automatisiert erfolgen. Viele Entscheidungen wie diese folgen nicht allein gestalterischen Überlegungen, sondern sind das Ergebnis neuer Abläufe und Anforderungen, die in klassischen Apotheken bislang kaum eine Rolle spielten.
Auch das Labor nimmt eine ungewöhnliche Rolle ein. Um die Anforderungen an den zweiten Fluchtweg erfüllen zu können, wurde es unmittelbar an der Schaufensterfassade angeordnet. Statt diesen Umstand zu kaschieren, wurde er bewusst Teil des Konzeptes.
Wände, Decke, Boden und Einbauten erscheinen hier in einem durchgängigen Türkisblau. Der ansonsten zurückhaltende Innenraum erhält dadurch einen überraschenden Farbakzent, der bereits von außen sichtbar ist. Gleichzeitig wird die pharmazeutische Arbeit Teil des Raumerlebnisses und bleibt nicht länger hinter geschlossenen Türen verborgen.
Zusätzliche Einblicke ermöglichen bullaugenartige Öffnungen zwischen Offizin und Labor. Sie machen sichtbar, was in vielen Apotheken verborgen bleibt: die eigentliche pharmazeutische Arbeit.
Hinter der ruhigen und aufgeräumten Raumwirkung verbirgt sich eine technische Infrastruktur, die einen Großteil der Abläufe automatisiert. Herzstück ist ein knapp neun Tonnen schwerer Kommissionierroboter von Rowa mit einer Kapazität von rund 37.000 Packungen. Er versorgt sowohl die Kassenplätze als auch die Abholstation in der Fassade automatisch mit Medikamenten.
Die eigentliche Herausforderung bestand jedoch nicht darin, die Technik einzusetzen, sondern sie in funktionierende Abläufe zu übersetzen. Viele Lösungen mussten für dieses Projekt erstmals entwickelt und bis ins Detail durchdacht werden. Wie gelangen Medikamente an die Selbstbedienungskassen? Wie erfolgt die Übergabe an Kundinnen und Kunden, wenn Arzneimittel gesetzlich weiterhin durch pharmazeutisches Personal freigegeben werden müssen? Wie lassen sich digitale Sichtwahl, automatisierte Warenlogistik und persönliche Beratung miteinander verbinden?
Die Antworten auf diese Fragen finden sich nicht in einzelnen Geräten, sondern in den speziell für dieses Projekt entwickelten Möbeln. Hinter den ruhigen weißen Flächen verbirgt sich eine hohe technische Komplexität aus Fördertechnik, Bildschirmen, Warenausgaben, Kassen- und Logistiksystemen. Vieles davon bleibt für Besucher unsichtbar. Genau das war das Ziel.
Nicht jede prägende Idee entsteht am Reißbrett. Die offen geführte Haustechnik war ursprünglich eine Reaktion auf die Vielzahl nachträglich geforderter Revisionsöffnungen. Eine geschlossene Decke hätte kaum noch zusammenhängende Flächen besessen. Statt die Technik zu verstecken, wurde sie sichtbar gemacht und Teil des Gestaltungskonzeptes.
Klima-, Elektro- und Wasserleitungen bleiben mit ihrer alukaschierten Oberfläche bewusst ablesbar. Zusammen mit den schwarzen Lichtschienen und Regalsystemen entsteht eine technische Ebene, die den Charakter des Innenraums unterstützt, ohne dessen ruhige Wirkung zu beeinträchtigen.
Die Apotheke befindet sich in einem Umfeld, das von ganz unterschiedlichen Nutzergruppen geprägt wird. Neben den Bewohnerinnen und Bewohnern des neuen Quartiers zählen dazu Hotelgäste, Geschäftsreisende, Messebesucher und Menschen, die kurzfristig medizinische Hilfe benötigen.
Aus diesem Gedanken heraus entstand auch die telemedizinische Beratungskabine. Sie ermöglicht es, ärztlichen Rat oder Rezepte direkt vor Ort einzuholen – auch dann, wenn keine Arztpraxis geöffnet hat. Gerade in der Nähe von Messe, Flughafen und Hotel entsteht dadurch ein zusätzlicher Versorgungsbaustein, der über die klassische Apotheke hinausgeht.
Die Apotheke versteht sich dabei nicht als Ersatz für ärztliche Versorgung, sondern als Schnittstelle zwischen pharmazeutischer Beratung, Telemedizin und moderner Gesundheitsversorgung.
Ob sich jede Idee bewährt, wird erst die Zukunft zeigen. Die Apotheke Deiker Höfe versteht sich nicht als fertige Antwort, sondern als Versuch, neue Möglichkeiten auszuloten und gewohnte Strukturen zu hinterfragen.
Sicher ist jedoch schon heute, dass sie Erwartungen verändert. Die häufigste Reaktion von Besucherinnen und Besuchern lautet nicht selten:
“Sieht nicht so aus, wie ich es von einer Apotheke erwarten würde.”
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Weitere Einblicke in die Entstehung der Apotheke Deiker Höfe:
Projektdaten
Projekt: Apotheke Deiker Höfe
Standort: Herma-Körding-Straße 3f, 40468 Düsseldorf
Bauherrin: Vildane Idrizi-Sinani
Fertigstellung: 2025
Verkaufsfläche: 103 m²
Besonderheiten: Digitale Sichtwahl, Telemedizin, Selbstbedienungskassen, Rowa-Kommissionierautomat, automatisierte Warenlogistik, offene technische Infrastruktur
Wer immer nur macht, was alle machen, wird am Ende aussehen wie alle anderen.
Wenn Sie über Ihr eigenes Projekt sprechen möchten, freuen wir uns auf ein Gespräch.
Telefon: 02151 736005
E-Mail: info@buerger-architektur.de